WENN DER VORHANG FÄLLT

Das Eastown Theater ist eins der Symbole des postindustriellen Niedergang Detroits. Sowohl vom Aufstieg, als auch vom Fall der Stadt zeugend, entwickelte es in den Jahren des Verfalls einen ganz eigenen, morbiden Charme.

The Newark Paramount Theatre (© Matt Lambros)

Im Rahmen seines Projekts After The Final Curtain konzentriert sich der New Yorker Fotograf Matt Lambros auf eben solche Theater. Dokumentiert ist diese epische Ode an das Scheitern in seinem äußerst empfehlenswerten Weblog.

(via)

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99 PROBLEMS

Im Jahr 1967 hielt Herbert Marcuse mit Das Ende der Utopie einen viel beachteten Vortrag an der Freien Universität Berlin, in dem er, anders als es der Titel vermuten lässt, genau nicht zur Aufgabe von utopischen Träumen aufruft.

The OCCUPIED Wall Street Journal (© David Shankbone)

Vage Vorstellungen einer besseren Welt dienen auch im Jahr 2011 noch immer als Auslöser von sozialen Protesten. Handelte es sich dabei zunächst um umstürzlerische Revolten im arabischen Raum, so erreicht die Protestwelle mit Occupy Wall Street nun das Herz des Kapitalismus. Dies zum Anlass veröffentlichte Peter Marcuse, kritischer Stadtplaner und als solcher seit 1975 als Professor an der Columbia University in New York tätig, mit Occupy WallStreet – For What? For Whom? Where? Why? eine pointierte Analyse der seit Mitte September andauernden Besetzung eines Platzes unweit der New Yorker Wall Street.

The Occupy Wall Street movement is a basic response to a social system seen as unjust and inhumane, one which is killing people, leaving millions in poverty, destroying the natural environment, stifling and distorting creativity, undermining democratic participation in social decision-making, and creating an existential insecurity about the future throughout the land, and indeed throughout the world.

Zum Vorwurf den Protestierenden fehle eine konkrete politische Agenda äußert er sich wie folgt:

Why not? Because that [eine konkrete politische Agenda zu besitzen, A. d. Verf.] ends up playing the game, and the whole essence of the movement is to reject the game’s rules as it is being played, to produce change that includes each of these demands but goes much further to question the structures that make those demands necessary. The analogy to the heart of the Arab spring uprisings, to the civil rights movement, to the counter-cultural protests of the 60’s, are striking. They all believed they were operating under a system that needed to be changed in the way it functioned before their specific demands could be realized; their power lay in the evidence of the mass support they provided for change, the evidence that things could not go on as they were, that those that held the levers of power had to use them to implement deep changes or get out of the way and let others that would do so get at it.

Den gesamten Artikel, in dem Marcuse des Weiteren auf die außerordentliche Bedeutung des öffentlichen Raums eingeht, gibt es hier.

(via)

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TOD DER MODERNEN ARCHITEKTUR

Am 15.07.1972 wurde die moderne Architektur unter Trümmern begraben. So oder so ähnlich klingen die Erzählungen rund um die gezielte Sprengung der amerikanische Sozialsiedlung Pruitt-Igoe in St. Louis.

Screenshot Koyaanisqatsi

Dieser Tage erschien mit Architektur ohne Architektur das sechste Bündel des überaus lesenswerten Magazins Disko, das dem Lehrstuhl für Architektur und Stadtforschung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg als publizistisches Organ dient.

Die Hefte Disko 20-25 gehen hervor aus zwei Symposien, die das Fachgebiet Architektur und Stadtforschung unter dem Titel „Architektur ohne Architektur“ 2008/09 an der AdBK Nürnberg veranstaltet hat. Ausgangsthese der Symposien war eine zweifache Problematik: a) Mit dem „Scheitern der Moderne“ hat sich die Architektur nicht nur ihres sozialen Projektes entledigt, sondern scheint insgesamt als Vertreter gesamtgesellschaftlicher Anliegen nachhaltig diskreditiert; b) zeitgenössische Architektur ist soweit in ihrer medialen Darstellungskraft gefangen (und bauökonomisch instrumentalisiert), dass sie sich dem Potential des gebauten Raumes gedanklich weitgehend entzogen hat. Architektur ohne Architektur beabsichtigt an dieser Stelle eine „Nullstellung“ des Diskurses. Die Hefte wollen ebenso als Beiträge zu einer alternativen Geschichtsschreibung verstanden werden, wie als Ansätze einer erneuerten architektonischen Praxis.

Anlässlich der Veröffentlichung laden die Herausgeber Arno Brandlhuber und Silvan Linden am heutigen Abend ab 20.30 Uhr zur Präsentation der neuen Hefte in die thematische Buchhandlung Pro qm. Neben den Herausgebern werden die Autoren Jesko Fezer, Christoph Heinemann, Christa Kamleithner, Joachim Krausse und Christoph Schmidt anwesend sein.

(via Mail)

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URBANIZE

Anfang Oktober lädt die „Superillu der Stadtforschung“ bereits zum zweiten Mal zum internationalen Festival für urbane Erkundungen nach Wien.

dérive)

Die Stadt als Zentrum gesellschaftspolitischer, kultureller und wirtschaftlicher Entwicklungen begreifend, werden die Macher der dérive ihrem multiperspektivischen und interdisziplinären Ansatz gerecht und verhandeln Städtisches im Rahmen des zehntägigen Festivals urbanize! in unterschiedlichen Formaten: in Vorträgen, Performances, Forschungsreisen, Multimedia-Aktionen, Diskussionen, Spaziergängen, Sound Walks, Filmen, Alltagsforschungen und in künstlerischen Interventionen.

urbanize! Internationales Festival für urbane Erkundungen geht in die nächste Runde. 2010 von dérive – Verein für Stadtforschung als ausschweifende 10-Tages-Geburtstags-Party gegründet, die 10 Jahren ehrenamtlicher Arbeit als Forschungsreisende in Sachen Urbanismus sowie Herausgeberschaft für die „Superillu der Stadtforschung“ (Zitat: Jesko Fezer; auch als dérive – Zeitschrift für Stadtforschung bekannt) gebührend Raum geben sollte, hat sich das Festival aufgrund jeder Menge Spaß, allseitiger Begeisterung und haufenweise neuer urbanistischer Einsichten zum jährlichen Fixtermin erklärt.

urbanize! verbindet die Vielfalt an Disziplinen und ProtagonistInnen in ihrer Auseinandersetzung mit der Stadt als Kunst-, Forschungs- und Lebensraum. Das Festival bündelt die multiperspektivischen Stadtsichten von KünstlerInnen, MusikerInnen, FilmemacherInnen, PerformerInnen und ForscherInnen aus Architektur und Städtebau, Soziologie, Philosophie, Politik, Europäischer Ethnologie, Geographie und Wirtschaftswissenschaften, um das weite Feld auszuloten und der allerorts eingeforderten (und bei dérive seit jeher gepflegten) Interdisziplinarität Vorschub zu leisten.

Neben der Auftaktveranstaltung am 07.10.2011 im Wiener Prater, bei der die neue Ausgabe der dérive mit dem Schwerpunkt Urbane Vergnügungen vorgestellt und die immer stärker um sich greifende Eventisierung des städtischen Raums thematisiert wird, fungieren die an jedem Ort der Welt nach situationistischem Vorbild durchführbaren Stadterkundungen laboratoire dèrive als Fixpunkt des Festivals. Darüber hinaus gibt es einen Dokumentarfilmabend unter dem Motto Urban Realities, Podiumsdiskussionen zu den Themen Wissen bzw. Sex und Stadt und interventionistische Grenzerkundungen der Gehsteig-Guerrilleros. Das vollständige Programm ist hier einsehbar.

(via)

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URBANIZED

In den Jahren 2007 bzw. 2009 erregte der unabhängige Filmemacher Gary Hustwit mit den Dokumentationen Helvetica und Objectified weltweit Aufsehen. Mit Urbanized erscheint im Herbst dieses Jahres der dritte und letzte Teil seiner Design-Trilogie.

Screenshot Urbanized

Während Helvetica und Objectified von Grafik- bzw. Produktdesign handelten, erzählt Urbanized die Geschichte des Urban Design. In der offiziellen Beschreibung liest sich das Ganze dann so:

Urbanized is a feature-length documentary about the design of cities, which looks at the issues and strategies behind urban design and features some of the world’s foremost architects, planners, policymakers, builders, and thinkers. Over half the world’s population now lives in an urban area, and 75% will call a city home by 2050. But while some cities are experiencing explosive growth, others are shrinking. The challenges of balancing housing, mobility, public space, civic engagement, economic development, and environmental policy are fast becoming universal concerns. Yet much of the dialogue on these issues is disconnected from the public domain.

Den Trailer der Dokumentation, in der unter anderem Oscar Niemeyer, Sir Norman Foster und Rem Koolhaas gefeatured werden, gibt es seit gestern hier zu sehen.

(via)

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NO FUTURE

(via)

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WE CAME TO PLAY

ReplayCity, das neuste Werk des in Berlin lebenden und arbeitenden Theoretikers und Komponisten Christopher Dell, ist ein radikaler Aufruf, die urbane Praxis neu zu denken. Dies zum Anlass, lädt die Buchhandlung Walther König am morgigen Abend ab 19.30 Uhr zum Performanz-Konzert.

jovis)

In den vergangenen zehn Jahren setzte sich der studierte Philosoph, Musiker, Komponist und Organisationsentwickler Dell in verschiedenen Zusammenhängen mit dem Thema Stadt und urbane Praxis auseinander. Mit ReplayCity legt er nun eine Textsammlung vor, die zusammengehalten wird von Dells performativ-relationalem Raumverständnis, auf dessen Grundlage er die urbane Praxis neu denkt.

“Konzeptuell kreisen die Texte um die Frage eines performativ-relationalen Raumverständnisses. Darunter verstehe ich, Raum und mithin Stadt als Produziertes zu begreifen, das in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder neu versammelt und erhandelt wird.”(1)

Nicht nur inhaltlich setzt sich Dell mit Relationalität auseinander. Die Textsammlung selbst ist als relationales Verfahren zu verstehen, das von Wiederholung und Sequenzialität, von einer spielerischen Annäherung an die diversen Themen und Motive lebt. Demzufolge ist das Werk nicht notwendigerweise linear zu lesen, vielmehr sind Sprünge erlaubt, wenn nicht gar erwünscht.

Im ersten Teil von ReplayCity hinterfragt Dell die noch immer vorherrschende Reduktion der Stadt auf ein materielles Objekt und setzt ihr eine Beschreibung der Stadt als Performanz entgegen, bei der er sich unter anderem kritisch auf die Situationistische Internationale bezieht. Im Rahmen dieses Paradigmenwechsels akzeptiert Dell die Unplanbarkeit der immer komplexer werdenden Stadt des 21. Jahrhunderts. Da die Beschreibung der Stadt als Performanz nach einer neuen urbanen Praxis verlangt, die in der Lage ist, den Prozessen in den zeitgenössischen städtischen Konglomeraten gerecht zu werden, führt Dell die Improvisation als Technologie ein. Sie dient ihm dabei nicht mehr nur als Notlösung, sondern avanciert zur notwendigen Praxis: “Der Kerngedanke ist, dass performative Praktiken alltäglicher Improvisation als urbane Praxis die Bedingung dafür setzen, dass Stadt sich immer wieder neu ereignen kann.”(2) Aus diesem neuen Raum- bzw. Architekturverständnis heraus leitet Dell den Begriff der ‘Ermöglichungsarchitektur’ ab, der zentraler Bestandteil des mit Improvisation und Raum überschriebenen zweiten Kapitels ist. Im Fokus des dritten und letzten Teils steht das musikalische Raumdenken. Dell erläutert, warum die Bedeutung der Improvisation so gut am Beispiel der Musik aufzuzeigen ist und weist gleichzeit vehement darauf hin, Musik nicht bloß als Metapher, sondern als Verfahren zu verstehen.

Folgerichtig wird der Grammy-nominierte Dell seine grundsätzlichen Überlegungen zum Urbanismus während des Performanz-Konzerts in der Buchhandlung Walther König immer wieder durch freie Improvisationen an dem von ihm virtuos beherrschten Vibraphon unterbrechen.

1 Christopher Dell, ReplayCity. Improvisation als urbane Praxis, Berlin 2011, S. 7 // 2 ebd., S. 8f.

(via Mail)

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INFORMELLER URBANISMUS III

Boxhagener Straße

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A BIG HISTORICAL ACCIDENT

(via)

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STADT NEU DENKEN

Ausgelöst durch einen Affront des Berliner Liegenschaftsfonds kam es Ende Juli im Rahmen der Konferenz Kunst Stadt Berlin 2020 zur Gründung der Initiative Stadt Neudenken. Ihre Forderung: Eine konsequente Neuausrichtung der Liegenschafts- und Bodenpolitik.

Benjamin Davy)

Seit nunmehr gut zehn Jahren ist es Aufgabe des Liegenschaftsfonds landeseigene Grundstücke meistbietend zu verkaufen, um auf diese Weise zur Senkung der Schulden Berlins beizutragen. Dass dies ausgesprochen gut gelingt, verdeutlicht ein Blick auf den Bezirk Mitte, in dem über 85 Prozent der öffentlichen Liegenschaften veräußert wurden.

Gegen dieses Verfahren regt sich jetzt Widerstand. Aufhänger ist die überraschende Ausschreibung von fünf Grundstücken am Blumengroßmarkt in der Südlichen Friedrichstadt in Kreuzberg. In dem von sozialer Schieflage geprägten Quartier zwischen Jüdischem Museum und Friedrichstraße, das trotz innerstädtischer Lage bisher keinerlei Aufwertungstendenzen aufweist, war ursprünglich die Etablierung eines neuen Kulturstandorts geplant. Darauf hatten sich im Sommer 2010 Vertreter des Bezirks, des Senats, des Liegenschaftsfonds und der Berliner Großmarkt GmbH, die der Senatsverwaltung für Wirtschaft unterstellt ist, verständigt. Die Entwicklung des Quartiers sollte mit Hilfe eines so genannten dialogischen Planungsverfahrens angestoßen werden, in dem die Grundsätze einer sozial, kulturell und wirtschaftlich nachhaltigen Stadtentwicklung im Fokus stehen; beim Verkauf der landeseigenen Grundstücke sollte demnach das jeweilige Gesamtkonzept und nicht das höchste Gebot entscheidendes Kriterium sein.

Inmitten dieses abgestimmten Prozesses – für den 18. September 2011 hatte das Projektbüro Kreativquartier Südliche Friedrichstadt die Vorlage eines aus dem dialogischen Verfahren hervorgegangenen Konzepts für die Quartiersentwicklung geplant – kam es am 15. Juli 2011 zu einem Alleingang des Liegenschaftsfonds und der Berliner Großmarkt GmbH. Unter dem Titel Checkpoint Art haben sie die fünf landeseigenen Grundstücke ohne weitere Absprachen ausgeschrieben. Zwar ist weiterhin von einem Konzeptverfahren die Rede. Die nur vage formulierten Kriterien für die Vergabe lassen jedoch den Schluss zu, dass letztendlich doch die Höhe des Gebots ausschlaggebend sein könnte.

Auf der Konferenz Kunst Stadt Berlin 2020, die wenige Tage später im Areal um den Blumengroßmarkt stattfand, wurde der Alleingang von verschiedenen Kulturschaffenden aufgegriffen und zum Anlass genommen, sich in einem offenen Brief kritisch zu positionieren:

Wir fordern ein Moratorium für den Verkauf öffentlicher Liegenschaften, bis nachhaltige und qualifizierende Verfahren entwickelt wurden.

Zukünftige Bewirtschaftung öffentlicher Liegenschaften sollte nicht die Privatisierung verfolgen, sondern sich für nachhaltige Stadtentwicklung einsetzen. Es ist weder sozial, kulturell noch wirtschaftlich nachhaltig, nur einen einmaligen unqualifizierten Veräußerungsgewinn zu erzielen.

Berlin soll sich die Erfahrungen großer Metropolen mit moderner Stadtentwicklung zu nutze machen, die mehrheitlich zu einer innovativen und zukunftsorientierten Liegenschaftspolitik geführt haben.

Um die damit angestoßene Debatte weiter zu vertiefen und zum veränderten Nachdenken über die Berliner Liegenschafts- und Bodenpolitik anzuregen, haben die Initiatoren des offenen Briefs Andreas Ammann (Young Climate Summit), Leonie Baumann (Kunsthochschule Berlin Weissensee), Arno Brandlhuber (Akademie der Bildenden Künste Nürnberg) und Florian Schmidt (Projektbüro Kreativquartier Südliche Friedrichstadt) die Initiative Stadt Neudenken ins Leben gerufen, die am morgigen Abend ab 18.30 Uhr zu einem ersten Vernetzungstreffen im Radialsystem V läd:

Um eine übergreifende Bewegung für eine nachhaltige Liegenschaftspolitik in Berlin zu begründen, rufen wir alle Initiativen, engagierten Personen und Interessierte auf, gemeinsam am 6. September im Radialsystem über eine neue liegenschaftspolitische Agenda für Berlin zu beraten.

Neben Eingangsstatements der Initiatoren soll eine offene Diskussion zur Verabschiedung eines Positionspapiers beitragen.

(via Mail)

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